Die erste Mannschaft in der neuen Saison - von Harald Weidmann

Seit gut vier Wochen fliegen wieder regelmäßig die Bälle durch die Helmut-Ott-Halle, denn das Team um Matthias Schnödt befindet sich seit dem 28. Juni in der Vorbereitung auf die neue Saison. Nach dem Abstieg aus der Landesliga und dem Abgang einiger Spieler steht für Schnödt und seinen neuen Co-Trainer Philipp Schöttner vor allem die Entwicklung der Nachrücker aus dem Jugendbereich und die Einbindung einiger Akteure aus dem Reserveteam im Vordergrund - dicht gefolgt vom Ziel des Wiederaufstieges.

Es hat schon eine Weile gedauert, bis Matthias Schnödt den Abstieg im Allgemeinen und die Art und Weise seines Zustandekommens weitestgehend verdaut hatte. Jetzt, einige Wochen später, steht er wieder in der Helmut-Ott-Halle und gibt dem Team Anweisungen und Ratschläge, wobei einige Spieler der vergangenen Spielzeiten nicht mehr dabei sind. Jonathan Kraus will sich zukünftig mehr auf den Beruf konzentrieren und auch bei Maxi Hofmann stehen Arbeit und Familie stärker im Vordergrund, während sich Alexander Hofmann, Jan Wislicenus und Jonas Brendel-Suchanek studienbedingt verabschiedet haben.

Die größte Auswirkung auf das Spiel der Bergstädter dürfte jedoch der Abgang von Thomas Wilke haben. Der Halblinke hat sich nach mehreren Wochen Bedenkzeit ebenfalls für einen Wechsel entschieden. „Thomas will sich dem TV Münchberg anschließen“ berichtete Spartenleiter Paul Rupprecht. Die Oberfranken wollen sich nächstes Jahr mit dem TV Helmbrechts zusammentun und ein starkes Team für die Landesliga bilden. „Er hat gesagt, dort entwickelt sich etwas und er möchte gerne daran teilhaben“ so Rupprecht. Matthias Schnödt sieht den Abgang mit gemischten Gefühlen. „Klar ist es ein herber Verlust, wenn man den mit über 190 Toren besten Feldtorschützen der Liga abgeben muss, andererseits eröffnen sich für die Anderen ganz neue und deutlich mehr Möglichkeiten.“

Damit sprach er auch gleich das neu formierte Team an. „Es gibt keine externen Zugänge zu vermelden, vielmehr wollen wir uns auf die Entwicklung unserer jungen Nachrücker konzentrieren.“ Neben den schon im letzten Jahr immer wieder eingesetzten Max-Anton Seiffert, Lukas Weisser und Tizian Podlech stehen nun auch Martin Bauer, Paul Neuß und Johannes Förster dauerhaft im Kader. „Lukas hat schon einige Einsätze im Männerteam auf dem Buckel“ erhofft sich der neue Co-Trainer Philipp Schöttner von Weisser einen deutlichen Schritt nach vorn. „Tizi ist schnell und wendig und war auch schon in der Landesliga aktiv. Er ist heuer auf Linksaußen gesetzt.“ Unterstützung auf dieser Position erwarten sich die Verantwortlichen frühestens im September, wenn Julian Eckert aus Hamburg zurückkehren und wieder zum Team stoßen soll. Auch Alexander Tannenberger kann auf Außen eingesetzt werden, auch wenn er wohl eher im linken Rückraum oder auf der Spielmacherposition zu finden sein wird. Neben dem Routinier werden Paul Neuß, der nach seiner Schulteroperation langsam aber sicher wieder zu alter Stärke findet, und Lukas Weisser die halblinke Seite besetzen. Als Spielmacher ist mit Martin Bauer ein weiterer, sehr junger Spieler vorgesehen. „Er macht das wirklich gut und verteilt geschickt die Bälle“ so Schöttner. „Allerdings könnte er sich noch etwas mehr zutrauen und sich häufiger selbst mal eine Wurf nehmen.“ Auf Halbrechts finden sich zwei bekannte Namen wieder. Matthias Edtbauer will sich nach den nur sporadischen Einsätzen der letzten beiden Jahre diesmal wieder von Beginn an voll einbringen und Maxim Pankraz hofft auf eine möglichst verletzungsfreie Saison. Die rechte Außenbahn ist mit Daniel Schalanda besetzt. Schon einige Jahre dabei, sieht der Rechtshänder ebenfalls den Fokus auf der Entwicklung einer konkurrenzfähigen Mannschaft und hofft dabei für sich selbst, die Runde ohne größere Verletzungen zu überstehen. „Schalo und Stefan Ziegler sind derzeit die einzigen Rechtsaußen“ erklärte Philipp Schöttner. Linkshänder Elias Küffner dagegen hat sich für die Reserve entschieden. „Als Linkshänder wäre er zwar prädestiniert, aber der Aufwand für die BOL ist ihm zu groß.“ Stefan Ziegler wiederum sorgte für eine Überraschung, denn vom 20-Jährigen hatte Mancher nach seinem zweiten Kreuzbandriss vermutet, er würde den Handball endgültig in die Ecke legen, doch nach intensiver Arbeit erhielt er kurz vor Beginn der Vorbereitung vom Arzt das „Go“ und will sich bis Saisonbeginn wieder heranarbeiten.

Während die Stelle zwischen den Pfosten weiterhin mit Valentin Kroher und Max-Anton Seiffert besetzt bleibt, wurde die zweite Spezial-Position mehr oder minder neu besetzt. Stefan Bruckmayer wurde schon einige Male in der Landesliga eingesetzt und ist daher nicht mehr ganz neu im Team, anders als Johannes Förster, der erstmals den Sprung aus der Reserve in die Erste Mannschaft wagt. „Johannes ist variabel einsetzbar“ freuen sich die Trainer über den 25-Jährigen. „Er hat die ideale Statur für einen Kreisläufer und stellt sich dort auch gut an, kann aber zur Not auch mal im Rückraum eingesetzt werden. Und er ist ein guter Abwehrspieler.“ Ähnliches gilt auch für Moritz Hofmann, der jedoch nach einer Schulteroperation erst gegen Ende des Jahres wieder einsteigen kann. Somit steht Matthias Schnödt, der sein eigenes Spielpensum wieder einmal stark reduzieren will, ein 15-köpfiger Kader zur Verfügung, den er zusammen mit seinen Co-Trainern Philipp Schöttner und Karsten Herold zu einem konkurrenzfähigen Team formen will. „Mit einer umformierten Mannschaft wird es sicherlich nicht leicht, aber wenn wir von größeren Verletzungen verschont bleiben, haben wir durchaus die Möglichkeit, um den direkten Wiederaufstieg mitzuspielen.“

Während sich die SG Auerbach/Pegnitz noch mitten in der Vorbereitung befindet und durch vielversprechende Ergebnisse in Testspielen aufhorchen lässt, wirft die neue Saison mehr und mehr ihre Schatten voraus. Neben dem Rückzug der SG Naabtal, die damit als erster Absteiger feststeht, hält der seit kurzem feststehende Spielplan gleich zu Beginn ebenso interessante wie wichtige Begegnungen für die Blau-Weißen parat. Gleich zum Auftakt empfängt man mit der Bayernliga-Reserve der SG Regensburg einen der Favoriten bevor schon am zweiten Spieltag das Landkreis-Derby beim HC Sulzbach-Rosenberg ansteht. Damit könnte man sich vom Start weg gegen zwei voraussichtliche Titelanwärter eine gute Ausgangsposition verschaffen.

„Die Stimmung im Team ist super und es läuft bisher ziemlich gut“ freute sich der neue Co-Trainer Philipp Schöttner über den Verlauf der Vorbereitung auf die neue Saison, wobei er sich besonders angetan zeigte von der Beteiligung, aber auch von den Fortschritten, die man beim neu formierten Team von Woche zu Woche feststellen kann. „Alle ziehen gut mit und sind hoch motiviert.“ Auch die durch die Abgänge bedingte Umstellung der Spielweise scheint immer besser zu greifen. „Zuletzt war unser Spiel zu statisch und leicht auszurechnen“ so Matthias Schnödt. „Zu oft haben wir nach ein, zwei Pässen voreilig den Abschluss gesucht, oder uns in Einzelaktionen verzettelt.“

Gefragt nach dem Ablauf, hatte er zu Beginn der Vorbereitung vor allem zwei handballspezifische Hauptaufgaben angesprochen. „Anfangs konzentrieren sich die Einheiten mehr auf Ausdauer und Kraft, danach aber müssen wir daran arbeiten, im Angriff variabler zu werden und mehr über die Außen und den Kreis spielen. Außerdem wollen wir versuchen, aus einer weiter verbesserten Abwehr heraus schneller ins Gegenstoßspiel zu kommen.“ Mehrere schweißtreibende Einheiten später befinden sich seine Schützlinge offenbar auf einem guten Weg und zeigten in drei Testspielen durchaus vielversprechende Ansätze.

Gleich zu Beginn wollte man beim frisch gebackenen Landesligisten HaSpo Bayreuth II erste Eindrücke sammeln. Zur freudigen Überraschung der Verantwortlichen ließ man dem höherklassigen Gegner keinen Stich und gewann nach dreimal 20 Minuten klar mit 14:28. „Wir haben erst fünf Einheiten hinter uns, aber was die Jungs hier gezeigt haben, war schon beeindruckend“ freute sich Philipp Schöttner nicht nur über das Ergebnis. Speziell das Zusammenspiel der „Neuen“ mit den etablierten Akteuren funktionierte überraschend gut. Spielmacher Martin Bauer verteilte geschickt die Bälle, die Rückraumwerfer Edtbauer, Pankraz, Neuß und Weisser nutzten effektiv ihre Chancen und man sah schnelles Kombinationsspiel, das über die Außen Podlech und Schalanda, aber auch über den Kreis mit Bruckmayer und Förster abgeschlossen wurde. Letzterer fiel besonders durch eine aggressive Abwehrleistung auf, mit der er seinen Gegnern den Abschluss schwer und seinem Torhüter das Leben leichter machte. Knapp eine Woche später trat man beim letztjährigen Ligakonkurrenten TV Erlangen-Bruck II an und musste sich nach erneut guter Leistung nur knapp mit drei Toren geschlagen geben.

„Derzeit spielen wir zwar noch mit Harz, aber je näher die Saison rückt, desto weniger werden wir darauf zurückgreifen, denn auch einige Landesligisten wollen sich auf Ligaspiele ohne das Hilfsmittel vorbereiten.“ So kam es am ersten Augustwochenende zum Rückspiel gegen Erlangen-Bruck II und diesmal hatte die SG die Nase mit zwei Toren vorn. Erneut zeigte sich die Defensive, namentlich Johannes Förster, von ihrer besten Seite und verschaffte sich gehörigen Respekt beim Gegner, während auf der anderen Seite des Balles vor allem Paul Neuß mit neun Toren überzeugte. Philipp Schöttner bescheinigte dem Halblinken, dass „er immer sicherer wird. Offenbar ist es für seine operierte Schulter derzeit sogar besser, ohne Harz zu spielen. Es bedarf eines höheren Kraftaufwandes der Hand, weshalb er das Gefühl hat, dass in der Folge die Armmuskulatur ebenfalls stärker angespannt und die Belastung für die Schulter besser abgefangen wird.“

Wie schon zuvor verzichtete Matthias Schnödt darauf, selbst einzugreifen. Vielmehr gab er, ähnlich wie in den Vorjahren, einmal mehr seiner Hoffnung Ausdruck, weniger auf dem Feld stehen zu müssen. „Eigentlich will ich mich auf meine Aufgabe von der Bank konzentrieren“ ist er sich jedoch bewusst, dass ein ähnliches Verletzungspech wie im Vorjahr dieses Vorhaben erneut zunichte machen könnte. „Bis zum Saisonstart stehen uns noch anstrengende Einheiten und das eine oder andere Testspiel bevor, da kann immer etwas passieren.“

Angesprochen auf den Auftakt und die voraussichtlichen Favoriten nannten Schnödt und seine Co-Trainer, Schöttner und Herold, unisono neben der Reserve des Bayernligisten SG Regensburg und dem HC Sulzbach-Rosenberg vor allem den ESV 27 Regensburg, Gegner der SG am fünften Spieltag. In der Saison 2015/16 knapp dem Abstieg entgangen, übernahm der ehemalige Spieler Bernhard Goldbach die „Eisenbahner“ und führte sie zusammen mit dem höherklassig erfahrenen Brüderpaar Roy und Steve Müller über Platz Fünf zuletzt zweimal zum Vizetitel. „Die beiden Regensburger Teams und Sulzbach sind sicherlich oben dabei. Unser Ziel ist in erster Linie die Entwicklung des Teams und die Einbindung unserer jungen Spieler. Wenn wir vor Verletzungen verschont bleiben, können und wollen wir aber auch ein Wörtchen mitreden.“ Den Grundstein hierfür könnte die Schnödt-Sieben gleich in den ersten beiden Spielen legen.